Konjektaneen (lat., "Zusammengetragenes"),
Zusammengeworfenes; Schriften vermischten Inhalts (Meyers Kleine
Konversationslexikon, Seite 300, Zweiter Band, 5. Auflage, Leipzig und Wien,
1892)
coniectus, us, m. (conicio) 1. das Zusammenwerfen: ... (Stowasser,
1994, S. 112)
Zur gefälligen Erinnerung an das wegweisende Speläologenwerk: Hùba-Meír, Perc
Rudôlfinger, Wåldherr: Konjektaneen zu den speläologisch relevanten Objekten am
Höherstein, HB Wien 1991.
07.03.2004: Paralleluniversen ...
Im letzten Spektrum der Wissenschaft erschien ein interessanter Beitrag zum Thema "Zersplitterte Raum-Zeit" (Lee Smolin, S. Seite 54, März 2004). Eine der Kernaussagen ist, dass auch die Zeit "diskret" - in Sprüngen - abläuft (wobei "ablaufen" nicht der richtige Ausdruck ist, da er den Eindruck des "Kontinuierlichen" vermittelt). Die kleinstmögliche Zeitunterteilung beträgt demnach etwa die Plank-Zeit von 10-43 Sekunden (Seite 60, dritte Spalte). Eine interessante Frage ist nun: Wieviele Entscheidungen kann man in seinem Leben treffen, wenn man annimmt, dass a) die Zeit diskret verläuft und b) man zu einem Zeitpunkt immer nur "ja/nein", "falsch/richtig" entscheiden kann? Also nach dem Zeitpunkt 1 ("Urknall" des Menschen) 2 Zustände, nach Zeitpunkt 2 vier Zustände, nach Zeitpunkt 3 acht Zustände, allgemein 2n Zustände. Eine Sekunde enthält damit etwa 1043 diskrete Zeiteinheiten (Punkte, indem ich eine Wahlmöglichkeit habe), daraus ergeben sich dann 21043 Folgezustände, also eine ziemlich große Zahl. Nimmt man nun an, dass ein Mensch ungefähr 70 Jahre lebt = 2207520000 Sekunden, so hat er theoretisch 2220752000043 = 22,2075253 Zustände erreichen können.
27.02.2004: Das Wissen, wie man etwas findet, ist
nicht gleichbedeutend damit, etwas zu wissen.
In der aktuellen Diskussion um die G8, aber auch generell um die
"Entrümpelung" von Lehrplänen in Schulen ist sehr oft davon die Rede,
dass man weniger Gewicht auf das Faktenwissen ("Fachwissen,
Sachwissen"), dafür aber mehr Gewicht auf das Problemlösungswissen und
Suchstrategien gelegt werden soll. Frei nach dem Motto: "Wichtig ist zu
wissen, wo man nachschauen kann". Die Frage ist nun, ob dies wirklich der
Weisheit letzter Schluss ist. Ich denke, dass trotz aller Kritik am
Faktenwissen gilt: "Je mehr davon, desto besser". Und das sicher
nicht nur, weil derzeit diese Wissensquizshows so beliebt sind. Für die
Teilnehmer dieser Shows ist sicher das Faktenwissen ausschlaggebend, natürlich
auch Wissen darüber, wie schließe ich einzelne Optionen aus - aber dies beruht
nun wiederum auf Faktenwissen.
Ein simples Beispiel ist das gute alte Einmaleins: Hier hilft es nichts, zu wissen, dass ich im Internet irgendwo "3x4=12" finde, dies muss eine "vollautomatische, verinnerlichte Operation" sein, so wie das Gehen und Laufen. Nur dann wird man auch später Spaß an der Mathematik finden, wenn ich eine derart simple Operation schnell und ohne Nachdenken ausführen kann. Dieses Beispiel mag als zu simplizitisch empfunden werden, die Realität zeigt aber, dass viele Schüler - und nicht nur in der Grundschule - damit Probleme haben. Hier hilft nur das intensive Training von Fakten = die kleine und große Multiplikationstabelle. Analog in den Sprachen: Ohne die Grammatik = Problemlösungswissen = "Methode um korrekte Sätze konstruieren zu können", lerne ich keine Sprache gut (außer ev. als Muttersprachler), aber ohne "Vokabelpauken = Faktenwissen" geht es nicht; die beste Grammatik hilft mir nichts, wenn ich keine Vokabel kenne. Gleiches gilt für Fächer wie Geschichte, Physik und Chemie. Ohne das Faktenwissen hilft das ganze Problemlösungswissen nichts. BEIDES ist notwendig. Vor kurzem erzählte mir mein Sohn, dass er der einzige (!!!) in seiner Klasse (9. Klasse Gymnasium) war, der die Abkürzung "SPD" auflösen konnte. Natürlich könnte der "unwissende Schüler" dies auch durch Nachforschen im Internet herausfinden, es zeigt aber gravierende Mängel in der Allgemeinbildung - und wie soll jemand dem derart simples Faktenwissen fehlt, an einer politischen Diskussion teilnehmen können? Und derartige Beispiele gibt es viele.
Das Web = Internet wird von den Politikern gern als die Lösung der Probleme in diesem Bereich herausgestellt. Tw. hat man den Eindruck, dass die Damen und Herren Politiker noch nie Suchmaschinen benutzt haben, und wenn, dann nur um festzustellen, wie oft ihr Name im Web gefunden wird - als Zeichen für ihren Bekanntheitsgrad. Gerade hier zeigt sich aber, dass der obige Leitspruch zutrifft. Die Unmenge an Treffern, die Suchanfragen liefern, machen es oft unmöglich, die relevante Information herauszufiltern. Und dies trotz der Versuche der Suchmaschinenhersteller, die "passendsten Treffer" zu liefern. Nicht umsonst versucht die Softwareindustrie diesem Problem mit neuen Ansätzen - Sematic Web, XML Topic maps etc. - Herr zu werden.
Das Resume muss also lauten: Sowohl Fakten als auch Problemlösewissen in seinen verschiedensten Varianten sind notwendig, um im Leben bestehen zu können. Ein Zurückdrängen des Faktenwissens zugunsten von Problemlösestrategien kann keine Lösung sein. Natürlich muss beides gelehrt werden - und zwar schon von der Grundschule an. Problemlösen sollte als eigenes Fach gelehrt werden. Dann hat man die richtige Basis, um mit dem Faktenwissen zu operieren. Und viel mehr Spaß an Fächern wie Mathematik, Physik etc.
"Fakten + Problemlösestrategien" = "Wissen" (natürlich ist das stark vereinfacht ...)
Zurück zur Hauptseite
e-mail: ![]()
Letzte Änderung: 03.03.2004